Sind es die Kinder, oder die Eltern?

Gestern hatte ich den ersten Tag in meinem neuen Nebenjob. Nachmittagsbetreuung von Kindern im Alter von 10-14. Es ist wirklich Wahnsinn, wie viele Fragen Kinder haben können (vor allem solche, die man nicht erwartet). Man geht ja immer mit bestimmten Erwartungen und vorgebildeten Meinungen an Dinge heran, auch wenn es immer heißt, man soll unvoreingenommen sein. Ich glaube das geht aber gar nicht 100%. Dafür ist man selbst einfach zu sehr "Mensch". Das ist ja gar nicht schlimm, so lange man aber in der Lage bleibt, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, wenn eben doch mal manche Dinge nicht so sind, wie man erwartet hat. Gestern war da ein Mädchen (12), die hat mich einfach umgehauen. Erst machte sie ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter (passend dazu hatte es gerade draußen angefangen zu schütten wie aus Eimern). Ich fragte sie, was denn los sei und sie antwortete: "Ach es regnet. Ich mag Regen." Ich (verständlicherweise) sehr irritiert, weil ihre Mimik viele Dinge aussagte, aber nicht "oh toll, es regnet!" Deshalb die Frage meinerseits: "Warum schaust du dann so, als würde dir das Wetter gar nicht gefallen?" Das Mädchen: "Wenn es regnet, dann schauen wir Zuhause immer alle zusammen einen Film an." Ich: "Das ist doch lustig, oder gefallen dir die Filme nicht, die ihr schaut?" Sie: "Doch, aber früher haben wir Spiele gespielt und geredet. Ich will nicht immer Filme schauen, da sagt ja keiner was." Peng, Klischee, das wars dann wohl. Aber naja, Ausnahmen gibt es ja immer. Aber dann stimmten ihr auf einmal der Großteil der Kinder im Raum zu. Ich war vollkommen überrascht. Man sieht/hört doch immer die Kinder von heute, die nicht ohne Handy leben können. Ihre Spielkonsole besser kennen als den Garten und die Geschwister. Da stellte sich mir die Frage, ob das jetzt nur ein glücklicher Zufall von Kindern war, die den sozialen Kontakt zu ihrer Familie mehr schätzen als Filme? Oder haben die anderen Kinder sich einfach mitreißen lassen und sich gar nicht wirklich Gedanken über ihre Aussage gemacht und die Wirklichkeit sieht doch anders aus? Ich weiß es nicht. Aber seitdem bin ich am Überlegen, was nun das Problem der heutigen Mediengesellschaft ist, dass Kinder (im schlimmsten Fall) nicht mehr wissen, wie man aus Gras und Matsch eine Suppe kochen soll. Es ist selbstverständlich, dass das Verhalten und der Umgang mit Spielkonsole und co durch Eltern UND Kinder entsteht. Aber bist jetzt dachte ich, dass sich das so entwickelt hat, weil die Kinder tatsächlich (zum Großteil) keinen Bock mehr haben mit Dingen zu spielen, die keinen Strom brauchen. Liegt es also doch "nur" an den Eltern, weil ein Film bequemer ist als ein Brettspiel? Ich denke, das ist ein schwieriges Thema und eine eindeutige Antwort wird es wohl nie geben. Denn manche Eltern können bestimmt tun was sie wollen und ihr Kind lässt sich nicht vom Fernseher wegbewegen. Trotzdem finde ich es schade, dass ein Kind vor dem Fernseher geparkt wird, wenn es doch eigentlich etwas anderes möchte.

23.9.14 08:47

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